Was sagt die Wissenschaft zu EMS?

„The weather outside is frightful …“ das bedeutet, es ist Zeit für Indoor Sport. Damit einem dabei nicht langweilig wird, werden auf Sportmessen jedes Jahr neue Trends rund um das Thema Bewegung und Fitness vorgestellt. Ob neue Trendsportarten wirklich halten, was sie versprechen? Das zeigt sich meist erst Jahre später. Doch ist EMS Training auch so eine Modeerscheinung? Was sagt die Wissenschaft zum Training unter Strom und warum sollten wir ausgerechnet im Weihnachtsstress - wo wir doch selbst schon genug unter Strom stehen – nicht auf Bewegung und Sport verzichten?

Auch bei den neusten Sporttrends wie „Bungee Super Fly“, bei dem Sportler*innen an Bungeeseilen von der Decke federnd Übungen machen, „Stand-Up Paddling“ oder den aktuell wie Pickel in der Pubertät sprießenden Boulderhallen in größeren Städten, lässt sich immer häufiger und ganz frei übersetzt fragen: Ist das Sport oder kann das weg?

Wenn dann – wie etwa beim EMS Training - auch noch Spezialanzüge, Elektroden und Strom zum Einsatz kommen sollen, türmen sich die kritischen Denkfalten auf der Stirn der Mehrheit gut und gerne mal auf, wie die kleinen Fettpölsterchen über dem Hosenbund nach nahrungsreichen Weihnachtsfeiertagen. Dabei zählt EMS Training genau genommen längst nicht mehr zu den neuen Trends im Sportkosmos - auch abgesehen von den ersten Heilungsversuchen durch tierische Energiefelder in Kleinasien 400 vor Christus. In der Wissenschaft und Forschung ist das Thema Elektromyostimulation längst angekommen. Publikationen mit elektrisierenden Ergebnissen zum Training unter Spannung reichen bis zur Jahrtausendwende zurück.

EMS in der Medizin

Prof. Dr. Wolfgang Kemmler vom Institut für Medizinische Physik an der Friedrich Alexander-Universität in Erlangen sieht im EMS Training eine geeignete Methode für ältere, kranke oder übergewichtige Personen, die in ihrer Bewegung stark eingeschränkt sind. Durch EMS Training kann dem stetigen Abbau von Muskelmasse entgegengewirkt werden. Außerdem hatte es nicht nur positive Auswirkungen auf die Muskelkraft, sondern auch auf die tiefliegenden Fettpölsterchen in der Bauchgegend und die Dichte der Knochen – und kann so Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose vorbeugen.

Prof. Dr. Dirk Fritzsche ist Ärztlicher Direktor am Sana-Herzzentrum in Cottbus. In einer langjährigen Studie untersuchte er die Wirkung des EMS Trainings auf die Gesundheit von Patient*innen mit Herzschwäche. Gerade hier seien regelmäßige Übungen ganz entscheidend für den Verlauf der Krankheit. Doch ein tägliches Sportprogramm in den Alltag zu integrieren ist aus mentalen, psychischen oder sozialen Gründen, wie wir alle wissen, eben oft nicht ganz leicht. Zwei Trainingseinheiten von maximal 20 Minuten pro Woche können da zu einer deutlichen Entlastung beitragen und gleichzeitig die Muskulatur und das Herz-Kreislauf-System ausreichend stärken.

Neben der medizinischen Therapie körperlicher und psychischer Krankheiten, bringt die EMS Methode längst auch Spitzensportler*innen in Spitzenpositionen an die Tabellenspitzen.

Von EMS PROFItieren

André Filipovis ist Sportwissenschaftler und betreut als Athletiktrainer die Spieler*innen des VfL Wolfsburg NLZ. Auch wenn die Vereinswahl aus Perspektive von SC Fans vielleicht durchaus kritisch zu betrachten ist, zeigte seine breit angelegte Studie eine deutliche Steigerung der Kraft im Hochleistungsfußball. Ganz nach dem Credo: Höher, schneller, weiter“ oder Dettmar Cramers Aussage „Solange besser möglich ist, ist gut nicht gut genug“ wachsen auch die Anforderungen an Profifußballer*innen stetig.

Filipovis Studie zeigte wie mit EMS gezielt die Maximal- und Schnellkraft der Spieler trainiert und verbessert werden konnte: Für schnelle Antritte, höhere Sprünge, um im Kopfballduell die Nase vorne zu haben, ein Speedy-Gonzalesmäßiges Spieltempo auf dem Weg zum gegnerischen Tor oder spontane Richtungsänderungen und kraftvolle Schussaktionen. Während umfangreiche Kraft- und Athletiktrainings zwischen Turnierplänen und Gruppentraining zeitlich schwer zu integrieren sind, reichten selbst für Profisportler*innen ein bis zwei kurze EMS-Einheiten in der Woche aus, um ihre Leistung entscheidend zu steigern.

EMS für die (breite und schlanke) Masse

Ob Stollenschuhdesigns, Frisurentrends oder Ernährungskonzepte – was im Profisport für Aufmerksamkeit sorgt, lässt im Breitensport für gewöhnlich nicht lange auf sich warten. Dank EMS Studios wie Trainingseffekt können nun auch motivierte Breitensportler*innen und Profisportler*innen von morgen mit der professionellen Trainingstechnologie ihre Ziele erreichen. Auch für die weniger ambitionierten Schlechtes-Gewissen-Sportler*innen eignet sich das EMS Konzept wunderbar, um den alltäglichen Bewegungsmangel auszugleichen. Das zumindest geht aus den Studien von Dr. Heinz Kleinöder vom Institut für Trainingswissenschaft und Sportinformatik an der Deutschen Sporthochschule hervor.

I’ve got the blues …

Winterzeit ist Blues Zeit. Zwar passen Songs von B.B. King, Etta James oder Billie Holiday zugegebenermaßen wundervoll zu stimmungsvollem Plätzchenbacken und gemütlichen Abenden am Kaminfeuer. Dass die afroamerikanische Musikform des 19. Und 20. Jahrhunderts aber gleichzeitig Namensgeber für depressive Stimmungen und psychische Probleme des Winter Blues ist, scheint vielen gar nicht bewusst.

Die Abhängigkeit von körperlicher und psychischer Gesundheit ist wissenschaftlich längst nachgewiesen und wird uns spätestens dann wieder bewusst, wenn gesundheitliche Einschränkungen – sei es nur ein überdehntes Band – uns in unserer Freiheit und Selbstständigkeit einschränken. Umgekehrt sind in der Therapie von psychischen Erkrankungen daher auch Sport und Bewegung fester Bestandteil.

Gegen (Alltags-)Stress ankämpfen …

Auch hinter dieser scheinbar alltäglichen Aussage verbirgt sich mehr, als man vielleicht vermuten mag. Die Hormone Cortisol und Adrenalin werden in Stresssituationen ausgeschüttet, um den Körper in Kampfbereitschaft zu versetzen. Da Kämpfe heute gesellschaftlich aber glücklicherweise nicht mehr akzeptiert sind, liefert uns der Sport eine sozialverträgliche und deutlich legalere Alternative, um Stresshormone abzubauen.

Denn sobald Stresshormone immer weiter ausgeschüttet aber nicht abgebaut werden, können sie Bluthochdruck und Herz-Kreislauferkrankungen hervorrufen.

Neben den körperlichen Erfolgserlebnissen, die das Selbstbewusstsein stärken, fördert Sport außerdem die Sauerstoffversorgung und Durchblutung der Muskulatur und des Gehirns – dadurch fühlen wir uns nicht nur motivierter auch unsere Koordination und geistige Funktionen verbessern sich bei regelmäßiger, sportlicher Betätigung.

Haben Sie etwa das Weihnachtsgeschenk für Ihre Liebsten vergessen? Wir helfen Ihrem Gedächtnis direkt auf die Sprünge: Wie wäre es mit einem Gutschein für ein gemeinsames EMS Training in unserem Studio. Zusammen Zeit verbringen, unter professioneller Betreuung trainieren, und so stressfrei, geistig und körperlich fit durch die Weihnachtszeit ins neue Jahr starten.

Achtung! Wissenschaftliche Studien zeigen auch, dass EMS Training nur unter professioneller Betreuung durch qualifizierte Trainer*innen durchgeführt werden sollte! Zu hohe Spannungen und zu intensives Training können sonst zu Schädigung der Nieren führen.

Filipovic, A. et. al. (2012): Effekte eines dynamischen Ganzkörper-EMS-Trainings auf die fußballspezifische Leistungsfähigkeit. Dtsch Z Sportmed, 63(7-8): 223.

Filipovic, A. et. al. (2012): Electromyostimulation – a systematic review of the effects of different eletromyostimulation methods on selected strength parameters in trained and elite athletes. Online unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22067247

Filipovic, A. et. al. (2017): Effekte eines dynamischen Ganzkörper-EMS-Trainings auf skelettmuskuläre Anpassung und neue Belastungsmarker im Blut – Konsequenzen für die körperliche Leistungsfähigkeit. Online unter: https://www.bisp.de/SharedDocs/Downloads/Projektlisten/Projekte_2017/Medizin_2017/Bloch_070101_16_17.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Fritzsche, D. et. al. (2010): Elektromyostimulation (EMS) bei kardiologischen Patienten. Herz, 35: S. 34-40.

Kemmler, W. (2016): Whole-Body Electromyostimulation – The Need for Common Sense! Rational and Guidline for a Safe and Effective Training. Online unter: https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archive/archive-2016/issue-9/whole-body-electromyostimulation-the-need-for-common-sense-rationale-and-guideline-for-a-safe-and-effective-training/

Kleinöder, Heinz (2007): Muskeltraining der Zukunft. Wissenschaftliche und praktische Anwendung von Ganzkörper-Eletromyostimulations-Trainimng (GK-EMS) unter besonderer Berücksichtigung des Krafttrainings. Medical sports network; 4.

Kleinöder, Heinz (2011): Wenn der Kunde unter Strom steht. Trainer Magazin, 6:11-12. 

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