EMS: Wenn Energie den Körper durchströmt

Was aussieht, als würde man sich in Spezialkleidung verpackt und mit Elektroden verkabelt, auf die nächste Mondmission vorbereiten – ist vielmehr eine zukunftsorientiere Methode im Trainingskosmos. Die Abkürzung EMS steht aber nicht etwa für Eigenwillige Modernde Sportmontur sondern für Elektro-Myos-Stimulation - eine effiziente Methode, bei der Muskeln durch Stromimpulse trainiert werden.

Als wären die Zukunftsvisionen einiger Science-Fiction-Regisseure der siebziger Jahre wahr geworden: Sport scheinbar ohne Bewegung und Anstrengung – ganz im Sinne der Fitness-Gadgets diverser Teleshoppingkanäle, in deren Werbung durchtrainierte Schönheiten die Stereotypen phlegmatischer Couchpotatos mit einer Tüte Chips auf dem Bauch aufgreifen, um Muskelstimulationsgürtel anzupreisen, die Fettpölsterchen in Waschbrettbäuche verwandeln.

E-Autos, E-Bikes, E-Sport?

Während bei E-Sports tatsächlich ein sportlicher Wettkampf ohne besondere körperliche Aktivität in der virtuellen Welt von Computerspielen ausgefochten wird, steckt hinter EMS ein ausgewogenes Training, das einen durchaus ins Schwitzen bringt. Der Unterschied zum gewöhnlichen Krafttraining ist jedoch die Unterstützung durch bis zu zehn Elektrodenpaare, die an der speziellen Trainingskleidung befestigt werden, um mit Hilfe von Spannungen entweder alle großen Muskelgruppen gleichzeitig oder auch nur ausgewählte Bereiche zu trainieren.

Dazu wird der Mensch unter Strom gesetzt: Wem dabei Bilder von Struwwelpeter-Frisuren und Dr. Frank N. Furters Experimenten in der Rocky Horror Picture Show den Herzrhythmus zum Stolpern bringen, kann jedoch beruhigt durchatmen. Die eingesetzten Spannungen bewegen sich im niedrigen Milliampere-Bereich und stellen so für einen gesunden Menschen keinerlei Gefahr dar.

Der Weg des geringsten Widerstandes

Dafür sorgt einerseits die Zusammensetzung von Körper, Nerven und Muskulatur sowie andererseits die Energielosigkeit des Stroms, dessen Mantra es schließlich ist, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Das EMS Konzept basiert auf der Lehre elektrischer Leitfähigkeit: Ganz im Gegensatz zu Metallen neigen nämlich nicht nur die Menschen gelegentlich zu einer gewissen Trägheit, sondern auch die Bestandteile ihrer Körper, selbst wenn diese durch ausreichend Training gestählt wurden!

Während vor allem Körperflüssigkeiten, Nervenstränge und Muskeln gute Leiter sind, stehen Fettgewebe, Sehnen und Knochen diesbezüglich eher auf der Leitung. Über die gezielt platzierten Elektroden im angefeuchteten Spezialanzug sucht sich der Strom so seinen Weg von einem Pol zum anderen - durch Haut, Fettgewebe, Nervenstränge und Muskulatur. Ob der Reiz zur Muskelkontraktion dabei aus der körpereigenen Schaltzentrale, dem Gehirn, gesendet wird oder über einen externen Schalter geregelt wird, macht keinen Unterschied.

Damit der Duft nach gegrilltem Speck allerdings geselligen Sommerabenden vorbehalten bleibt, die Energie Nerven und Muskulatur trotzdem durchströmt und stimuliert, wird die Stromstärke durch die ausgebildeten Trainer*innen ganz individuell und abhängig von unterschiedlichen Faktoren bestimmt. Dabei spielt auch die Struktur der Muskeln eine entscheidende Rolle: Denn durch die geringen Spannungen werden nur die quergestreiften Muskelfasern der Skelettmuskulatur erreicht, während die langen, glatten Muskelfasern der Organe oder des Herzmuskels völlig entspannt bleiben.

Ohne die gewisse Spannung …

… funktionieren Bewegungen unseres Körpers auf Basis des Gegenspielerprinzips unserer Muskulatur, also einem Wechsel von An- und Entspannung. Um beispielsweise den Arm zu beugen, spannen wir unseren Bizeps an, wodurch der Muskel sich verkürzt. Gleichzeitig nimmt sein Gegenspieler, der Trizeps, an der Rückseite des Oberarmes, nun eine passive, entspannte Rolle ein, indem er gestreckt wird.

Dass nicht nur Menschen, die unter Strom stehen, angespannt sind, sondern auch Muskeln, macht sich das EMS Training hier zunutze und schwimmt damit gegen den Strom der monotonen Dauerschleife von Übungswiederholung im konventionellen Krafttraining. Durch den Stromreiz werden nämlich nicht nur schwer erreichbare, tiefliegende Muskelschichten angesprochen, es wird, unterstützt von simplen Kraftübungen und alltäglichen Bewegungsabfolgen, die gesamte Muskulatur gleichzeitig trainiert.

Das spart nicht nur Zeit – etwa 20 Minuten dauert eine EMS Trainingseinheit – sondern schont auch die Gelenke, da auf zusätzliche Trainingsgewichte verzichtet werden kann. Statt Strandtuch-Reservierungen an Trainingsgeräten, Beauty-Barbies beim Selfie-Shooting oder den ächzenden Bodybuildern findet das EMS Training zudem in einer persönlichen und privaten Wohlfühlatmosphäre unter ständiger Betreuung von Fachpersonal statt.

Trainieren wie die Stars

Dabei kann man sich entscheiden, ob man alleine mit Personalcoach trainieren möchte, ganz wie die Hollywood-Stars, oder doch lieber zu zweit. Die Trainingsziele – Gewichtsreduktion, Bodyforming, Muskelaufbau oder etwa die Linderung von Rückenschmerzen - werden individuell angepasst, stetig überprüft und Fehlbelastungen oder Verletzungen, etwa durch eine falsche Ausführung der begleitenden Übungen, dank intensiver Betreuung verhindert. Ganz zu schweigen vom inneren Schweinehund, den man durch fest vereinbarten Trainer*innen-Termine direkt mit an die kurze Leine legt.

Tierisch spannend

Nicht auf den Schweinehund aber auf das Tierreich zurückzuführen ist auch der Ursprung des heutigen EMS Trainings. Bereits 400 vor Christus und damit lange vor Benjamin Franklins und Alessandro Voltas elektrisierenden Entdeckungen soll man in Kleinasien bereits Elektrizitätsquellen zur Heilung von Krankheiten genutzt haben.

Dem römischen Arzt Scribonius Largus wird nicht nur die älteste, schriftliche Überlieferung des Hippokratischen Eides (1. Jhd n. Chr.) zugesprochen, der noch heute Ärzte weltweit an ethische Grundsätze bindet, sondern auch die ersten Aufzeichnungen zur Behandlung von Kopfschmerzen und Arthritis durch – man kann es sich das fischige Vergnügen heute kaum mehr vorstellen - das Auflegen eines Zitterrochens. Mit seinem Experiment an Froschschenkeln konnte Luigi Galvani 1780 die Kontraktion von Muskelgewebe durch elektrische Spannung nachweisen – und legte damit den Grundstein für EMS. Im 19. Jahrhundert entwickelten Faraday und Duchenne schließlich mechanische Generatoren, um ausgewählte Muskelbereiche gezielt stimulieren zu können und bereits zu Zeiten des Kalten Krieges sollen die Sowjetunion und USA im ewigen Wettstreit, unter strengster Geheimhaltung ihre Athletinnen und Athleten mit Hilfe des etwas andersartigen, heißen Drahts auf die Olympischen Spiele in Mexiko vorbereitet haben.

Energiewende in Medizin und Sport

Heute wird elektrische Spannung bereits in vielen Bereichen der Medizin und den Sportwissenschaften eingesetzt, etwa bei der Transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) zur Behandlung chronischer Schmerzen oder auch im Profisportbereich zur Effizienzsteigerung beim Krafttraining. Zahlreiche Ärzte, Kliniken, Physiotherapien sowie Reha- und Praxiseinrichtungen setzen bei ihren Behandlungen bereits auf die Energiewende.

Ob und unter welchen Voraussetzungen man dafür geeignet ist, von Energie durchströmt zu werden, wird in einem ersten Beratungstermin besprochen. Bei Vorerkrankungen sollten Trainingspläne jedoch in Absprache mit den behandelnden Ärzt*innen konzipiert werden.

Trainingseffekt …

Angespannt und geladen sind bei uns allerdings nur Muskeln und Elektroden. Im persönlichen Austausch und unter freundlicher Atmosphäre hilft unser EMS Training dabei, den Kopf zu entspannen, Verspannungen zu lösen und auch nach dem weiterhin energiegeladen durchs Leben zu gehen.

Bleibt noch die Spezialkleidung. Die liegt hier für Sie bereit. Und Hand aufs Herz: So schlimm wie die viel zu knappen Trainingsshorts und neonfarbenen Sportbodys der 80er Jahre ist „der kleine Schwarze“ längst nicht – in schwarz macht man schließlich immer eine gute Figur und dank Trainingseffekt erst recht.

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